»Wehe und tausendmal wehe dem Volke, welches das Blut und das Leben von Hunderttausenden vergießt, um anderthalb Schock Ritter des eisernen Kreuzes dekorieren zu können! Wir brauchen Männer des Geistes, Männer des Wissens und der Kunst. Die wachsen aber nicht bei Wagram oder Waterloo!«

Karl May an den Maler und Freund Sascha Schneider (1906)


»Wenn man nach zwei Weltkatastrophen eine Dritte plant, dann muß irgendetwas mit den Gehirnen der Menschen nicht mehr in Ordnung sein.«

Curt Goetz in ›Frauenarzt Dr. Prätorius‹ (1949/1950); er diagnostiziert als Ursache die »Mikrobe der menschlichen Dummheit«.

 

Meine Familie ist von Kriegsschicksalen schwer betroffen. Die Eltern meines Vaters – Minna und Emil Harder – starben 1944 bei einem Bombenangriff, seine Großeltern – Berta und Gottfried Wormuth –, die in Ostpreußen (Kreis Bartenstein) lebten, sind verschollen, vermutlich mit der Wilhelm Gustloff am 30. Januar 1945 vor Pommern gesunken.

Familie Harder in Berlin

Meine Großeltern – Minna Harder (links im Bild) und Emil Harder musizierend (rechts im Bild) – mit ihrem Sohn Werner bei einem geselligen Beisammensein Mitte der 1930er Jahre in Berlin.

 
Der ›Heile-Welt-Eindruck‹ trügt. Nur wenige Jahre später sind große Teile Deutschlands zerstört, unzählige kostbare Menschenleben ausgelöscht. Mein Vater, Werner Herbert Harder (1928–2012), wird als Fünfzehnjähriger Vollwaise und erhält durch einen Brief seiner Kusine Erika die schreckliche Todesnachricht:

Todesnachricht aus Berlin

Todesnachricht aus Berlin

Dieser Brief, der hier erstmals veröffentlicht wird, geht auch nach Jahrzehnten unter die Haut. In diesem wichtigen Zeitdokument ist die düstere, beängstigende Stimmung beklemmend konserviert, als läge die Tragödie erst wenige Stunden zurück. Der Bombentod von Minna und Emil Harder ist ein exemplarisches Beispiel für all die unschuldigen Kriegsopfer, die auch heute noch durch Ränkespiele machthungriger Pseudopolitiker weltweit einen schrecklichen Tod sterben.

Aufgrund der Todesnachricht kehrte mein Vater nach Berlin zurück. Er grub meine Großeltern eigenhändig aus den Trümmern. Übrig geblieben war nur eine »Schüssel Knochen«, wie er mir später mitteilte. Ihre Kriegsgräber befinden sich in Stahnsdorf bei Berlin.

Dass gegenwärtig im westlichen Europa viele Jahre der ›Frieden‹ dominiert, ist ein kostbares Gut, welches es zu bewahren gilt. Wer die Vergangenheit kennt, weiß: Es gibt keine Alternative zur ›Europäischen Union‹.